Rezensionen

Musikalisches und spirituelles Groß-Ereignis: Ron-Dirk Entleutners Leipziger Passions-Stream

 

Ron Dirk Entleutner und seine Amici musicae senden Bachs Johannes-Passion als interkontinentale Streaming-Botschaft aus dem Leipziger Kunstkaufhaus in die Welt.

 

Von PETER KORFMACHER

 

Es ist selbst auf dem Bildschirm ein überwältigender Moment: Zum Choral „O große Lieb“ wechselt die Einstellung in die Totale, auf die Wände des Leipziger Kunstkraftwerks, wo Ron-Dirk Entleutner und seine Amici musicae musizieren, werden rund 130 Porträts projiziert. Sie singen, sie musizieren in Koblenz, sie tun es in den USA, in Japan. Ein kraftvolleres Bild lässt sich kaum finden für die weltweite Gemeinde, an die die Botschaft der Passion und der Auferstehung gerichtet ist.

 

Darum sind diese Zuspielungen, die aus Einzelnen eine Gemeinschaft machen, kein digitaler Effekt in diesem Johannes-Passions-Stream, sie tragen die Seele dieses in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Projektes. Auch musikalisch – denn obschon hier ein weltumspannender Massenchor die Gemeinde vertritt, lässt Entleutner ihn so leicht klingen und natürlich wie den Rest seiner bemerkenswerten Passion.

 

Bögen statt Nummern

 

Die ist minimal besetzt mit solistischen, Streichern, 16 Chor-Sängerinnen und -Sängern rund ums Ensemble Amarcord, die auch die Solisten-Partien übernehmen. Neben dem grandios inhaltlich gestaltenden Evangelisten des Amarcordlers Robert Pohlers und dem beseelten Christus des Calmus-Sängers Manuel Helmeke singen unter anderem Johanna Ihring und Inga Jäger, Wolfram Lattke, Diogo Mendes und Daniel Knauft die Rezitative, Arien, Ariosi und Einwürfe wie die Turbae der Menge aus einem Atem heraus: Entleutner fasst die beiden Teile der Passion nicht als Reihung von Nummern auf, sondern jeweils einen großen musikalisch-dramaturgischen Bogen.

 

Das Klangbild bleibt luftig, beinahe kammermusikalisch, was aber nicht zu Lasten der musikalischen Kraft geht, sondern diese im Gegenteil noch verstärkt, weil Ron-Dirk Entleutner sie direkt aus der Struktur der Musik heraus entwickelt. Und aus dem Text, der in jedem Augenblick, in jeder Phrase, mit jeder Silbe im Zentrum dieser Johannes-Passion steht, nicht überartikuliert, nicht künstlich, nicht pathetisch, sondern in vorbildlichem Ernst von einer Passion berichtend, die uns alle angeht.

 

Vom Diener-Einwurf bis zu den monumentalen Chorsätzen am Anfang und am Ende, von den Flöten bis zum Continuo, von „Herr unser Herrscher“ bis „Ich will dich preisen ewiglich“ lässt diese Johannes-Passion keine Fragen offen. Nicht als ambitioniertes Digital-Projekt, sondern als musikalisches und spirituelles Großereignis, das auch auf dem Tonträgermarkt keinen Vergleich fürchten müsste. Erstklassig produzierte Tonspuren gibt es ja bereits.

 

LVZ 6.4.2021

 

 

 

Noch besser: Amici musicae mit Bachs h-moll-Messe auf Leipzigs Alter Messe

 

So etwas geht wahrscheinlich nur in Leipzig: Weil Ron-Dirk Entleutners Amici musicae wegen der Corona Pandemie nicht mit Mendelssohns „Paulus“ die Wiedervereinigung feiern konnten, taten sie es kurzerhand mit Bachs h-moll-Messe.

 

Von PETER KORFMACHER

 

Es sollte ein „Paulus“ werden. Mit Mendelssohns monumentalem Oratorium und befreundeten Ensembles aus dem Westen wollten Ron-Dirk Entleutner sowie seine Amici musicae am Samstag in der Thomaskirche 30 Jahre Wiedervereinigung feiern.

 

Doch dann kam Corona und alles anders – ein Schicksal, das die Amici derzeit mit vielen Musikern teilen. Ziemlich einzigartig ist allerdings die Notlösung, mit der Entleutner, sein Chor und sein Orchester dann doch feierten: Mit Bachs h-moll-Messe nämlich, dem Opus summum der abendländischen geistlichen Musik, dem technisch Anspruchsvollsten, was aus dem Barock auf uns kam, dem musikalisch Größten nicht nur dieser Epoche.

 

Erstklassig einstudiert

 

Natürlich haben die Amici sich diesen Brocken nicht in aller Eile aushilfsweise draufgeschafft. Mit der h-moll-Messe feierte man vor gut einem Jahr den eigenen 25. Geburtstag. Aber dass sie nun so schnell wieder aufpoliert werden konnte, das zeigt, wie gut Entleutner sie seinerzeit einstudiert hatte.

Das Ergebnis konnte sich damals schon hören lassen, schloss auf weiten Strecken mit interpretatorischer und stilistischer Konsequenz zum Niveau der einschlägigen Spitzenklasse auf und blieb handwerklich – wir reden hier von Laien mit professionellem Anspruch – in keinem Takt hinter dem zurück, was Leipzig seinem großen Thomaskantor schuldig ist.

 

Gewaltige Entfernungen

 

Dennoch ist nun vieles noch besser – obwohl die Bedingungen ungleich schlechter sind. Denn in Halle 14 der Alten Messe, im „Pavillon der Hoffnung“ mithin, hilft kein Hall, etwaige Ungereimtheiten zu überdecken. Überdies sind die Entfernungen zwischen Sängerinnen und Sängern und im Orchester so gewaltig, dass ein erster Blick die Gewissheit bringt: Kann ja gar nicht klappen.

Tut es aber doch. Gewiss, hin und wieder verlieren im Orchester die Gruppen den Kontakt zueinander. Im „Quoniam“, dessen mörderisches obligates Solo der dritte Trompeter(!) Winfried Thoß aufführungspraktisch fragwürdig, dafür musikalisch ungefährdet, klanglich schön und hochmusikalisch ausgestaltet auf dem Corno da caccia bläst, ist die Entfernung zu den Fagotten und zum Continuo einfach zu groß. Zumal der Bass-Mulm von drüben wenig Halt gibt. Dennoch ärgern nicht die Unsicherheiten im Zusammenspiel, es grenzt vielmehr an ein Wunder, dass sie so selten bleiben. Was für den ganzen einschließlich zweier Lüftungspausen rund zweieinhalbstündigen Abend gilt.

 

Schön, transparent, präzise

 

Da verpasst schon mal eine Oboe die Ausfahrt, rumpelt es am Fundament vernehmlich, weil Celli und Kontrabässe nicht zueinander finden, und nach wie vor könnte Entleutner seinem Chor ruhig auch die virtuosen Passagen anvertrauen, die er, warum auch immer, lieber solistisch vortragen lässt.

 

Denn seine vokalen Amici sind vom ersten bis zum letzten Takt eine sichere Bank. Schön klingen sie, transparent, präzise, hinreichend kraftvoll, staunenswert beweglich. Und Entleutner hat sie detailversessen durchmodelliert. Da ist keine Silbe, keine Koloratur, kein Seufzer, keine Bebung nur passiert. Da ist jeder Einzelton gestaltet, trägt mit an einer Idee, die dieser Dirigent von diesem großen Werk hat, das er bis in die feinste Verästelung kennt und zu seinen Ensembles weiterzureichen im Stande ist. Seine Bewegungen sind kleiner geworden, die geschlagenen Einheiten größer. Beides dient dem selbstverständlichen Fluss, der diese bemerkenswerte Aufführung zusammenhält.

 

Dem Virus sei Dank

 

Zu der steuern neben der Konzertmeisterin Uta Herfurth alle Beteiligten exzellente Soli bei. Und auch bei den Gesangssolisten gibt es diesmal keine Einwände: Shira Patchorniks funkelnder Sopran, Christian Rathgebers heller, beweglicher feinsinniger Tenor, Tobias Berndts schöner Bass – und Inga Jäger leidet nicht an Entleutners endzeitlichen Tempoverstellungen im Agnus Dei, sie füllt sie mit Leben, Innigkeit, Liebe.

 

Kurzum: Eigentlich muss man der Pandemie dankbar sein für diese jenseits aller Erbsenzählerei beglückende h-moll-Messe.

 

LVZ, 11.10.2020

 

 

Jugendsinfonieorchester aus Leipzig und Budapest im Gewandhaus

 

Jugendsinfonieorchester Leipzig und das St.-Stephan-Jugendorchester aus Budapest teilen sich ein Konzert im Gewandhaus und beschreiten dabei unter der Leitung von Gábor Horváth und Ron-Dirk Entleutner unterschiedliche Wege.

 

Von PETER KORFMACHER

 

Gábor Horváth macht es seinen Schäfchen nicht leicht. Fürs Gastkonzert beim Jugendsinfonieorchester der Musikschule Leipzig hat er mit seinem Budapester St.-Stephan-Jugendorchester ziemlich sorglos aus allen Ecken und Enden der Sinfonik ein Häppchen-Programm zusammengekehrt, das die Vielseitigkeit seines Orchesters dokumentieren soll. Von Rossinis Semiramide-Ouvertüre spannt er den Bogen über das Finale von Debussys Petite Suite, den Tango Bolero Juán Llossas, einschlägige Ausschnitte aus Tschaikowskis Schwanensee und das Intermezzo aus Puccinis Einakter Suor Angelica bis zum Bacchanale aus Saint-Saëns’ Oper Samson et Dalilah. Und tatsächlich zeigt das mit 18 ersten Geigen und 18 Celli recht üppig bis schräg besetzte Orchester erhebliches Potenzial: Souveränes Blech und schöne Holzbläserfarben stehen da einem Streicher-Tutti gegenüber, das trotz seiner schieren Größe beinahe zu zurückhaltend klingt. Immer wieder lassen im Holz die Soli aufhorchen, das Solo-Cello singt zum Herzen, die Hörner sind eine sichere Bank.

 

Aber weil die Stücke meist schon wieder vorbei sind, bevor sie noch richtig angefangen haben, gelingt es den Nachwuchsmusikerinnen und Musikern aus Ungarn kaum je, größere Spannungsbögen zu entwickeln. Und Horváth, der sich auswendig aufs gediegene Kapellmeistern versteht, ist mehr mit der Verwaltung musikalischer Abläufe beschäftigt als mit der Gestaltung von Musik. Kurzum: Mit diesem Programm, das den Gästen im mau besuchten großen Saal des Gewandhauses die Sache erleichtern soll, lässt er viele musikalische Möglichkeiten ungenutzt. Was schade ist. Denn wenn er mal die Zügel ein wenig lockerer lässt, kommt sofort Leben in die Bude.

 

Gastgeber Ron-Dirk Entleutner geht nach der Pause mit seinem Leipziger Jugendsinfonieorchester den umgekehrten Weg. Er weiß, dass er und die Seinen in den Proben gut gearbeitet haben, und lässt nun im Konzert auch mal los. Dabei hat er sich mit Ottorino Respighis Pini di Roma ein sinfonisches Schwergewicht des 20. Jahrhunderts aufs Pult gelegt, bei dem es auch für manches Profi-Orchester zum Schwur kommt. Aber Entleutner geht auf volles Risiko – und lässt so kein Auge trocken im Saal.

 

Dabei ist durchaus immer mal wieder zu hören, dass die Machbarkeitsgrenze nicht weit entfernt verläuft. Manchmal wird sie auch überschritten wie bei den allzu stürmischen Horn-Signalen des brodelnden Beginns. Das macht aber nichts, weil es den musikalischen Fluss nicht behindert und nicht die Intensität dieses rückhaltlos auftrumpfenden Orchester-Spektakels. Entleutner baut es klug auf, schneidet in den Außensätzen Steigerung an Steigerung, behält aber bis zum Finale noch Reserven in der Hinterhand, um erst bei den Legionären, die im Schatten der Pinien der Via Appia neuen Eroberungen entgegenmarschieren, im vielfachen Forte, die dynamischen Möglichkeiten seines fabelhaften Klangkörpers ganz auszureizen. Immer noch mit gekonnt ausbalanciertem Klang

Doch das JSO kann auch anders: Die impressionistischen Reflexe, die zarte Naturlyrik der Pinien auf dem Gianicolo streicheln sanft die Seele. Großartig setzen hier Holzbläser und Klavier ihre solistischen Akzente, hauchzart und lebendig die Soloflöte, elegisch das Englischhorn, pastoral die Oboe. Und wenn die samtene Klarinette übergangslos aufgeht im Flirren der Vogelzwitscher-Maschine, hält man es kaum noch für möglich, dass da ein Jugendorchester sitzt.

 

Auch nicht beim vielfach bewährten Danzon aus der Feder des Arturo Marquez. Wunderbar sinnlich bis lasziv ausmusiziert und durchgehört. Und der Jubel im Saal fällt danach noch gewaltiger aus als zuvor schon der für die Gäste aus Ungarn.

 

LVZ, 27.5.2018

 

 

Der Herzschlag auf dem letzten Weg

 

Amici musicae, Landesjugendchor Sachsen und Jugendsinfonieorchester Leipzig mit Verdis Messa da Requiem in der Thomaskirche

 

VON PETER KORFMACHER

 

Natürlich kann man mit (guten) Laienmusikern ein Verdi-Requiem machen. Stehen nur genug zur Verfügung, wird daraus schon große Toten-Oper, bei der im Donner des Jüngsten Gerichts fünfe auch mal gerade sein dürfen. Doch ist dies nicht der Ansatz Ron-Dirk Entleutners, der sich am Samstagabend in der bestens gefüllten Thomaskirche an diese anderthalb Stunden über die letzten Dinge traute mit den Choristen seiner Amici musicae und des sächsischen Landesjugendchors sowie den Instrumentalisten seines Jugendsinfonieorchesters der Leipziger Musikschule.

 

Denn Entleutner tritt der Messa da Requiem nicht mit dem Bauch entgegen, sondern mit dem Kopf, nicht mit dem großen Opern-Besteck, sondern mit der geistigen Durchdringung des Ex-Thomaners. Und als solcher verlässt er sich nicht darauf, dass diese Musik ihre Wirkung von selbst entfaltet. Entleutner verfolgt ein Konzept: Sein Verdi-Requiem leuchtet aus der Tiefe der Partitur heraus. Transparent bleibt es in jedem Satz, jedem Takt, jedem Klang. Was angesichts der für chorsinfonische Panzerkreuzer nicht unproblematischen Akustik der Thomaskirche bemerkenswert genug ist. Entleutner verlässt sich nicht auf die Schönheit des Augenblicks, sondern legt die gewaltige Totenklage am Text entlang vorwärts drängend an – abgesehen vom irritierend verschleppten Lux aeternam.

 

„Die Fugen stehen für mich im Zentrum des Verdi-Requiems“, hat er zuvor zu Protokoll gegeben, und diese Fugen seien „ganz nah bei Bach“. Sie stehen zwar eher Händel nah, was aber egal ist, weil es um etwas anderes geht: Die Messa da Requiem ist nicht angelegt als (vokale) Melodie mit (orchestraler) Begleitung, sondern als polyphoner Organismus, in dem nichts unwichtig ist – also alles hörbar sein muss. Und das gelingt selbst Profis nur im Ausnahmefall. Was Entleutner aber hier an klanglicher Balance auf die Beine stellt, das schließt in dieser so klugen wie sinnlichen Konsequenz zu den Großen des Fachs auf. Zu Gardiner mehr als zu Gergiev – am Wirkungsort Bachs gewiss kein Fehler.

 

Auch Entleutner ist offenhörlich ein großer Chor-Erzieher. Seine Musikfreunde und den sächsischen Jugendchor hat er in den Proben zusammengeschweißt zu einem Ensemble, das keinen Vergleich scheuen muss. Hauchzart im Flehen um ewige Ruhe, auftrumpfend im Zorn über die Endlichkeit, markerschütternd in panischer Erwartung des Jüngsten Gerichts, beseelt raunend in der Gewissheit der Erlösung. Fabelhaft homogen klingt dieses Vokalkombinat, blitzsauber in der Intonation und vorbildlich in der Textverständlichkeit.

 

Dieser staunenswerten Leistung begegnet das Jugendsinfonieorchester auf Augenhöhe. Auch hier legt Entleutner den Klang nicht als eindrucksvolles Ungefähr an, sondern als fein gewirktes Gespinst instrumentaler Linien in den eher kammermusikalischen Teilen und als bis ins Detail ausgestaltetes Tableau am Tag des Zorns. Schon der heikle Beginn der Celli, die aus dem Nichts (lange muss Entleutner warten, bis es still genug ist in der Kirche) die Bitte um ewige Ruhe vorbereiten, greift nach der Seele. Was die jungen Instrumentalisten von der Violine bis zum Fagott an Soli abliefern, lässt keine Wünsche unerfüllt. Fabelhafte Streicher, wonniges Holz, prunkendes Blech – und Schlagwerker, die nicht Einzelimpulse zuliefern, sondern den Herzschlag auf dem letzten Weg.

 

Natürlich ist es nicht so, dass hier nichts passierte – auch, ebenso natürlich, im Chor nicht. Und Entleutners interpretatorische Operation am offenen Herzen der Partitur sorgt dafür, dass auch kleinere Ungereimtheiten deutlich hörbar werden. Aber erstens passiert derlei auch den Profis – und zweitens stört es die so emotionale wie disziplinierte Dringlichkeit dieses Musizierens kein bisschen.

 

Das sieht bei den solistischen Männerstimmen anders aus. Bernhard Schneider, Tenor, und Daniel Blumenschein, Bass, sind verdiente Sänger und haben mit Entleutner schon Schönes geleistet. Aber fürs Verdi-Requiem sind sie fehlbesetzt. Denn es gibt sie eben doch, die großen Opernpassagen, die die großen Opernstimmen fordern. Und in denen schleppt Schneider weinerlich, und Blumenschein bleibt mit recht boviner Färbung oft zu tief. Sind die Damen dabei, ist es besser. Aber das liegt eher daran, dass Viktorija Kaminskaite (Sopran) und Inga Jäger (Mezzo) so gut sind, dass das poröse Fundament egal scheint. Kaminskaites kristalliner Sopran und Jägers Bernstein-Mezzo fügen sich perfekt ein in Entleutners ganzheitliches Musizieren. Zwei Frauenstimmen, die gemeinsam in einer Klangästhetik verschmelzen, die berückend singen, aber ohne Diven-Mätzchen. Nun gut: Jäger schleift Spitzentöne gern manieriert an. Aber das tritt hinter die Herrlichkeiten ihres Gesangs ebenso zurück, wie das abgekniffene b Kaminskaites am Ende des ansonsten himmlischen A-cappella-Teils im Libera me. Rhetorischer Gesang ohne Geschwätzigkeit, strahlend schön und doch uneitel, intelligent und von satter Sinnlichkeit getragen.

 

Wie dieses ganze außergewöhnliche Verdi-Requiem. Ein Höhepunkt im Chorsinfonik-Kalender des Jahres 2017. Ausführlicher Jubel eines Publikums, in dem einige wenige Röchler und Schniefer an den sensibelsten Stellten die CD-Aufnahme ruiniert haben dürften.

 

LVZ, 27.11.2017

 

 

Erlebte Passion in der Thomaskirche


Amici Musicae präsentieren Matthäus-Passion


von KATHARINA STORK

 

Die Passion Christi erlebbar machen, durch die Ausdruckskraft der Musik – das war Bachs Anspruch bei seiner Vertonung der Matthäus-Passion. Die Amici Musicae erfüllten diese Aufgabe am Samstagabend in der Thomaskirche mit großem musikalischem Können.

 

Gleich beim Einstieg des Chores stellt Dirigent Ron-Dirk Enleutner sein umsichtiges, höchst konzentriertes Dirigat unter Beweis: „Herzliebster Jesu“, eine Melodie, die im Laufe der Passion immer wieder vom Chor aufgegriffen wird, erklingt in einem homogenem Klanggebilde von Chor und Orchester des Ensembles, unterstützt von der Kurrende der Thomaskirche und des Schöneck-Ensembles Koblenz.

 

Der Evangelist eröffnet im Rezitativ den Handlungsbogen: Christian Rathgebers Tenor ist flexibel, hell und seine Textverständlichkeit enorm. Seine natürlich ausgestaltete Phrasierung gibt dem Text genügend Schwung, so dass der Bogen zwischen Arien und Handlung niemals bröckelt und das Wechselspiel im Dialog flüssig bleibt. Der Tenor bildet einen angenehmen Gegenpol zum vollen Bass Dominic Großes, der Jesus‘ Rezitative singt. Obwohl die Anzahl seiner zu singenden Stellen übersichtlich ist, sticht er heraus: Auch kurze Phrasen präsentiert er angemessen dramatisch, mit autoritärem Timbre. Sein Ausdruck geht nie zu Lasten der Textverständlichkeit, sei es im betrübten Piano oder im eindrucksvollen Forte.

 

Neben der Handlung kommentieren die Solisten Jesu Situation in emotionsgeladenen Arien. Franziska Bobe übernimmt die Sopranpartie und überzeugt ab dem ersten Ton. Ihr „Blute nur, du liebes Herz!“ ist dramatisch, aber sehr voll und warm in der Höhe. Sie hebt sich mühelos über das Orchester und beweist mit ihrer flötengleichen Stimme große Flexibilität in den anmutigen Koloraturen. In Kombination mit Altistin Inga Jäger entsteht eine wunderschöne Einheit: Jägers dunkleres Timbre ergänzt den hellen Sopran vollkommen.

Bass Stephan Heinemann glänzt sowohl in den Rezitativen als auch in den Arien. Als Judas besticht er mit dramatischer Präsenz, in den Arien kommen seine warme Mittellage und die volle Tiefe am besten zur Geltung. Sebastian Franz ergänzt das Ensemble mit rhythmisch sicheren Koloraturen und einem soliden Tenor mit leicht metallischer Höhe.

 

Die herausragende Besetzung von Chor, Orchester und Solisten sorgt für besinnliche drei Stunden und einen musikalisch hochwertigen Ausblick auf die Osterzeit.

 

LVZ, 21.03.2017

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Ein bewegendes Projekt in Corona-Zeiten. Der Konzert-Stream aus dem Leipziger KUNSTKRAFTWERK jetzt auf Vimeo!

 

Die großartige Aufführung aus der Leipziger Thomaskirche von 2017 ist hier auf CD verewigt. 

 

Seit Mai 2017 auf dem Markt. Die CD-Aufnahme mit Martin Häßler (Bariton), dem Landesjugendchor Sachsen und dem Jugendsinfo-nieorchester Leipzig.

 

Immer wieder ein schönes Weih-nachtsgeschenk. Eine Kooperation mit dem Gewandhaus-Kinderchor aus dem Hause Querstand.

 

»Distler-Variationen« von Heinz Werner Zimmermann gekoppelt mit mehrchörigen Motetten Alter Meister - ein großartiger Bogen!

 

ENGLISH CHORAL MUSIC Vol. 1 - mit Werken von Purcell, Vaughan Williams, Elgar und Britten. Aufgenommen in der Stifts-Basilika auf dem Petersberg. 

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